Im Rahmen der Harener Orgeltage 2026 wurde am Sonntag, den 14. Juni 2026 der ehrwürdige Raum des Martinus Domes von strahlenden Orgelklängen erfüllt. Unter dem Motto "Wenn musikalische Leidenschaft zur Prüfung wird-ein Orgelabend voller Klangfarben" wagte sich der junge Organist Tom Jänen an ein Programm von höchstem Anspruch – Werke, die nicht nur technisch anspruchsvoll sind, sondern auch ein tiefes musikalisches Empfinden verlangen.
Vor sehr großer Zuhörerschaft stellte Tom Jänen sein Examensprogramm zur bevorstehenden Bachelorprüfung auf die Probe. Dieses Konzert wurde zu mehr als einer Darbietung von Orgelliteratur. Es war eine Bewährungsprobe, ein Spagat zwischen Anspannung und Triumph. Mit jedem Konzertstück nahm Tom Jänen das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch die Musikepochen. Alle Stücke unterschieden sich in ihren Klangfarben und in ihrer Dramatik. Es gelang Tom Jänen beeindruckend, dem Konzertpublikum die erhabenen Schönheit der Orgelmusik zu vermitteln.
Das Programm umfasste einen Zeitraum vom Hochbarock, vertreten durch Nicolaus Bruhns, bis zur Moderne, welche u.a. durch Jean Langlais ( 1907-1991) definiert ist.
Von Letzterem spielte Tom Jänen das Werk Cantilene aus der Suite breve, welches auch gleichzeitig das Pflichtstück im Examensprogramm für den Bachelor Abschluss darstellt. Die Cantilene ist der lyrische zweite Satz aus der Suite breve des blinden französischen Komponisten und Organisten Jean Langlais, welches er 1947 komponierte. Das Werk gehört zu den bedeutenden Orgelkompositionen der französischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Das ca. 6 Minuten lange Stück folgt einer dreiteiligen Liedform wobei die Melodie auf einem alten traditionellen bretonischem Volkslied basiert. Das Stück verlangt vom Organisten eine feinfühlige Phrasierung, flexible Tempogestaltung und ein hohes Maß an klanglicher Balance bei der Registerwahl. Die Prüfungskommission wird gewusst haben, was sie von Tom Jänen erwarten kann
Nach Abschluss des Konzertes brandete langer und stürmischer Beifall auf. Die Zuhörerschaft war nach diesem eindrucksvollem Konzert geschlossen der Meinung: Prüfung bestanden.
Harald Steinborn
